Novemberzeit in Nordfriesland

Neulich warf ich die restlichen Nudeln, auf den Misthaufen, wo sofort die Hühner angerannt kamen. (Vor der Vogelseuche). Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, laut gackernd, stürzten sich die Hühnerschar auf die Nudeln. Ein Huhn kam aus dem Stall herangerannt – und verlor auf mitten auf dem Hof ein Ei.

Im Garten liegt immer wieder überall das Blätterwerk. Die Hühner rennen durch die Beete, die Katzen liegen auf den Mauern und der Hund kommt ins Haus und bettelt. Er ist es wohl gewohnt, überall etwas abzubekommen.

Wir sind hier „nur“ Mieter. Mieter auf Zeit. Bis wir in unser neues Zuhause einziehen können. Das dauert noch eine Weile.

Hier ist es schön. Die Vermieter alte Bauersleute. Der ehemalige Kuhstall leer. Im ehemaligen Schweinestall wurde „unsere“ Wohnung reingebaut. Dicke Wände und oben auf dem Dachboden saust hin und wieder ein Mader – oder so – hin und her.

Ein großer Garten, voller Blumen, Büschen und Bäumen. Viel Rasenfläche. Ein Hof mit Misthaufen und vielen Hofgebäuden. Alte Trecker. Alte Hänger. Schiefe Stalltüren. Altes Mauerwerk. Kalter Westwind. Ja, in der Ferne Windkrafträder. Wie fast überall. Ich mag diese hässlichen Dinger nicht, die immer höher in den Himmel ragen. Genauso grässlich, wie die immer mächtiger werdenden Stromtrassen. Ich blicke einfach in die andere Richtung. In andere Richtungen. Es gibt genug Ausweichblickmöglichkeiten für mein Wohlbefinden.

Für das Gefühl von heiler Welt, gesunder Natur, Freiheit, Weite, Frieden. Für alles Gute. Für viel Gutes – zumindest.

Die Tage sind leer und voll zugleich. Schnell vergehen die Stunden. Ankommen in Nordfriesland. Richtig ankommen, obwohl ich doch schon eine Weile hier bin. Doch nirgendwo so richtig. Aber bald.

Die Vermieter sind herrlich, großartig, liebenswert und einfach … ach, ich suche nach dem einen zutreffenden Begriff.

Jeden Nachmittag gibt’s Kaffee und Kuchen in der großen Küche, wo der Bollerofen das Holz verbrennt und die Flammen eine wohlige Wärme verbreiten. Der „alte“ Landwirt erzählt die Geschichten aus der vergangenen Zeit und seine Meinung zur aktuellen politischen Lage. Dann lacht er, fast jedes Mal. Die „alte“ Landfrau fasst ihn manchmal am Arm, als wolle sie ihn zum Schweigen bringen: „Nun lass mal!“, sagt sie.

Neulich habe ich hier Laub geharkt. Schon so lange ist das letzte Mal her. Dann habe ich aus dem noch guten Fallobst – den Äpfeln – ein köstliches Chutney zubereitet. Mein erstes Mal.

Leben in Nordfriesland. Wir sind schon umgemeldet. Offizielle Nordfriesen sind wir jetzt schon. Das Leben ist schön. Mein Leben ist schön. Ich liebe das Leben.

© Lilli Klar, Geschichtenweise, Schreibnische.blog

9 Kommentare zu „Novemberzeit in Nordfriesland

    1. Ich danke Dir – und ja, das stimmt wohl. Jetzt, wo wir wieder zu zweit sind, ist es sowieso alles gleich viel schöner.

      Gerade kommen wir „von der Küche zurück“.

      Im Bollerofen glühten die Holzscheite vor sich hin, der große Kater Jakob hüpfte sofort auf meinen Schoß, nachdem ich mich auf der Eckbank niedergelassen hatte und der Hund Iron versuchte ihm den Platz streitig zu machen.

      „Die Hühner kämen auch gleich rein, wenn wir die Tür offen ließen“, bekamen wir zu hören. Das wäre natürlich nicht so gut, die sch….. nämlich alles zu.

      Herzliche Grüße auch für Dich.

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