Herbstliche Augenblicke

Und plötzlich war sie wieder da – die Mondsichel, in einer sternenklaren Nacht, in der Ferne, glutrot sah sie aus und so riesig groß.

Staunend standen wir und blickten in den Nachthimmel. Standen unter der hellen Milchstraße, blickten rüber zur Mondsichel und lauschten den Kaugeräuschen der Kühe, die träge in der Nacht auf der Wiese standen.

Was hätte ich dafür gegeben, an diesem einen Morgen eine Leinwand und Farben parat zu haben. In Pastelltöne getaucht, von zartem Rosa, über milchiges Blau, feine violette Pigmente, weißliche Schleier, gräuliche Tupfer.

Ein Himmel, wie aus einem Märchenbuch. Ein Bild, welches sich in meine Erinnerungen eingebrannt hat. So atemraubend wunderschön. Dazu die Tautropfen auf den Gräsern.

Später fuhr ich mit dem Fahrrad an dem Wasserlauf vorbei, der direkt am Dorf entlangführte. Auf der einen Seite die herbstlich werdenden Wassergräser, auf der anderen Seite Sonnenblumen, dazwischen ich. Ein Graureiher erhob sich direkt vor mir, danach kreuzte ein Bussard meinen Weg, als ich an dem Baum vorbeiradelte, in dem er sich aufhielt. Hinter den Sonnenblumen lauter Obstbäume.

Es war kühl und feucht. Tausende von Tautropfen auf einer Wiese funkelten im Sonnenlicht. Eine Frau saß in der Sonne und trank ihren Morgenkaffee.

Und jeden Morgen derselbe Himmel in immer wieder neuem Gewand. Andere Wolkenformationen. Veränderte Farben. Nebelschleier, durch die sich die Sonne herausbahnt. Kühle Feuchtigkeit, die sich wie ein Film auf die Haut legt. Das erste Mal in diesem Herbst sehe ich meine Atemluft.

Die Fliederbeeren wurden gepflückt, der Mais geerntet. Äpfel und Birnen stehen körbeweise vor den Höfen. Teilweise darf man sie als Geschenk mitnehmen. Pflaumenernte ist fast schon vorbei. Sicher gibt es noch spätere Sorten.

In einer Kleinstadt an der Nordsee begegneten wir einer Österreicherin, die uns mit in ihren Garten nahm. Dort, wo sie Rosen mit den Namen „Napoleon“ und „Mozart“ und Beethoven“ angepflanzt hatte. Es war ein Hinterhofgarten. Ganz klein und ganz voll. Es gab einen kleinen Birnenbaum und einen mit Äpfeln und einen mit Pflaumen. Dort hingen die Früchte noch alle dran. In der Mitte ein kleiner Springbrunnen. Am Ende des Gartens eine Hütte, daneben eine Sitzecke, auf der das Strickzeug lag.

Sie bot uns einen Haselnusslikör an, erzählte eine Menge und lachte viel. Ihr Hund hieß Leopold und sie trug ein typisches Trachtenkleid mit Bluse.

Seltsam, dass wir immer solche Begegnungen haben…

Einfach Mensch

© Geschichtenweise, schreibnische.blog

6 Kommentare zu „Herbstliche Augenblicke

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