Ahnungslos bleiben – abc.etüden

Die abc-Etüden finden wieder statt. Einladung und Anleitung findet man bei Christiane.

Hier jetzt der zweite Teil meiner abc-Etüde. Sozusagen als Fortsetzungsgeschichte. Drei Wörter von Begründer der Etüden – Ludwig Zeidler wurden vorgegeben: Idee, vergraben, engelhaft. Diese drei Wörter müssen vorkommen und es dürfen nicht mehr als 300 Wörter sein. Diese einleitende Erklärung, Überschrift und andere Wörter, die nicht unmittelbar zum Text gehören, werden nicht mitgezählt.

Hier nun die Fortsetzung:

Ahnungslos bleiben

Der Autoschlüssel blieb verschwunden und ich blieb bei meiner Ahnungslosigkeit. Mein Mitbewohner, dem ich seit Stunden bei der Suche half, hätte mich ansonsten vermutlich auf der Stelle gekillt.

Mit jeder weiteren dahingehenden Minute hämmerte sich die Vorstellung tiefer in mein Fleisch ein, dass ich den Schlüssel mit unter den frisch eingebuddelten Pflanzen vergraben hatte. Da half mir auch meine Hoffnung nicht weiter, der Schlüssel könnte sich doch ganz woanders befinden.

Trotzdem wagte ich einen Vorstoß: „Könnte es nicht sein, dass dein Autoschlüssel ganz woanders liegt?“, säuselte ich zuckersüß und engelhaft in seine Richtung.

„Denkst du, ich bin blöd!“, schossen spitze Pfeile in meine Richtung und ich erinnerte mich an die Launen dieses Mitbewohners und seine impulsive Art.

Ziemlich lustlos suchte ich weiter mit, obwohl ich inzwischen felsenfest davon überzeugt war, dass diese Suche ergebnislos bleiben würde.

Wir durchstöberten das ganze Haus. Ich schaute sogar im Korb voller schmutziger Wäsche nach, rümpfte dabei die Nase und wusch mir anschließend gründlich die Hände. Doch der Autoschlüssel blieb natürlich verschwunden.

Mein Schuldgefühl bauschte sich allerdings immer mächtiger auf. Wäre es sichtbar, käme ich durch keine Tür mehr durch. Nach Stunden gab der Mitbewohner endlich die Hoffnung auf. Resigniert und mit hängenden Armen und Mundwinkeln schaute er sich um. Den Anblick konnte ich kaum noch ertragen und so flüchtete ich zurück auf die Terrasse, wo ich mich erneut auf einem Stuhl niederließ.

Ohne eine konkrete Idee, wie ich aus diesem Schlamassel unbeschadet wieder herauskommen könnte, griff ich scheinbar grundlos in meine Hosentasche – und fühlte etwas, was dort nicht hingehörte…

Ja, der Schweiß kehrte zurück. Das Blut pochte in meinen Adern. Hitzewallungen sind nichts dagegen. Wie sollte ich meinem Mitbewohner jetzt nur schonend beibringen, dass ICH den Autoschlüssel die ganze Zeit in meiner Hosentasche herumgetragen hatte?

Ich brauchte dringend eine neue Geschichte…

© Geschichtenweise, schreibnische.blog

18 Kommentare zu „Ahnungslos bleiben – abc.etüden

  1. Das kommt mir alles sehr bekannt vor *lächel* Verlorene, verlegte Dinge befinden sich ganz oft genau da, wo man sie am wenigsten vermutet und ist mir bereits häufig passiert ;-) Eine tolle Fortsetzung… denn mit ihr können sich viele identifizieren denke ich.
    Liebe Morgengrüße
    Heike

    Gefällt 1 Person

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